Kreta

nach einiger Zeit der Abstinenz melde ich mich mal wieder. Wir sind wieder im Mittelmeer angekommen und im Prinzip auf dem Rücktransit nach Kiel. Heißt, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch zwei Häfen vor uns haben. Als nächstes werden wir Kreta anlaufen. Hier liegen wir allerdings nur an einer Nato-Pier um zu tanken, damit wir auch bis nach Hause kommen. Dann werden wir in Lissabon die Übergabe an den Tender Rhein starten, der irgendwann die Tage in Kiel ablegen müsste. Aber auch hier werden wir nur so lang als nötig verharren um so schnell wie möglich wieder in deutsche Gewässer zu kommen J Das wird dann voraussichtlich am 22. Oder 23. August sein.

Zwar kann man die Tage an den Händen abzählen und der Alltag rückt wieder näher und man freut sich darauf und es wird alles vorstellbar, aber auf der anderen Seite überhitzt man hier total. Nun ist nämlich unsere Klimaanlage ausgefallen und der Tender ist erbarmungslos der Sonne ausgesetzt, die durch den wolkenlosen Himmel bricht. Temperaturen von über 50 Grad in Teilen des Schiffes sind also keine Ausnahme. Auch unsere Kajüte hat sich auf um die 30 Grad aufgeheizt und der Großteil der Besatzung schläft an Oberdeck. Sechs man zur Zeit davon in Hängematten und der Rest davon auf dem blanken Boden auf dünnen Decken – nur um der Hitze zu entweichen. Ich schlafe im Moment eigentlich gar nicht und halte mich stehend auf der Back auf, um nach kühlem Fahrtwind zu haschen. Da wir kein Ersatzteil haben, kann man nur hoffen, dass es irgendwie möglich sein wird, das defekte Gerät in Souda zu ersetzen.

Die letzte Woche im Kriegsmarsch war ebenso spektakulär wie spannend. Wir schipperten im Zickzack vor der ägyptischen Küste auf und ab, haben mitgeplottet, wer da so rum fuhr und Fischer gejagt. Die wollten uns nämlich nicht antworten, wenn wir sie angefunkt haben. Da es aber der Auftrag war, ihnen mit einem ausgesetzten Kutter Infopost zukommen zu lassen, haben wir nicht locker gelassen. Bis die dann voller Angst vor einem ganzen Flottenverband grauer Kriegsschiffe, der sich stetig näherte und irgendetwas auf Englisch erzählte , mit voller Kraft voraus die Flucht ergriffen. Kann ich auch irgendwie nachvollziehen. Dafür waren allerdings die letzten Häfen in meinen Augen sehr schön, erholsam und sehenswert. Ich meine, dass der erste Hafen nach meiner letzten Mail Novorossiysk sein müsste. Hier war alles typisch russisch. Direkt neben dem Markt saßen wir in einer kleinen Fischerkneipe und haben frische Pelmini gegessen um dann die frische Ware auf dem Markt zu begutachten. Wir sind durch die Stadt geschlendert, haben und die Cafés angeschaut und sogar ein paar nette Russen getroffen, die mit der Handelsmarine die Meere bereisen und die uns ein wenig rumgeführt haben. Alles in Allem und zusammengefasst also sehr schön.

Istanbul als Riesenmetropole hat sich mir direkt als unübersichtlich, verwinkelt und verwirrend gezeigt. Man hat bis auf einige Ausnahmen das Gefühl in einer Kleinstadt zu sein, die einfach nicht endet. Ich hatte das Glück an einer Tour durch die Stadt teilzunehmen, die uns allerdings mehr Museen als die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte. Trotzdem war ich in der roten und der blauen Moschee. Immerhin. War auch sehr beeindruckend. Trotzdem habe ich lieber die Wasserpfeifen Cafés am Hafen genossen, in denen man zwar keinen Alkohol bekommt aber unheimlich leckeren türkischen Tee um dabei Back Gammon zu spielen. Natürlich voll „ver-w-lant“. Ein nächtlicher Jogg durch die Metropole hat dann immerhin das Sightseeing abgerundet. Ferner haben wir den „Besten Fisch von unter der Brücke“ gegessen, wie uns der Restaurantbesitzer versichert hat. Der Fisch war zwar eher normal, aber die Atmosphäre war trotzdem sehr nett. Eine riesen Brücke unter der nur Fischrestaurants waren. Sowieso typisch für Istanbul, hatte ich den Eindruck, sind die Viertel. Es gibt überall Strassen, in denen es auch wirklich nur eine Sache zu kaufen gibt. Immer in kleinen Läden, immer alle nebeneinander, immer das selbe Sortiment. Sein es Schrauben, Stoffe, Döner, Glaskugeln, Schuhe, Hüte, Kettensägen, Ventilatoren. Toll. Nur irgendwie unsinnig. Fand ich jedenfalls.

Um es beim kurzen Bla zu belassen, sind wir also weiter transitiert nach Aksaz. Obwohl Aksaz sicher von keinem von euch in der Karte gefunden werden kann, da es nur der Militärstützpunkt ist, der so heisst und der höchsten Geheimhaltungsstufe der Türken unterliegt. In dem Stützpunkt, der wirklich riesig ist (in diesem einen Hafen sind doppelt so viele Soldaten stationiert, wie die deutsche Marine hat), lag einfach alles. Da waren amerikanische Korvetten, italienische Zerstörer, französische U-Boote und eben unsere Minenjäger und unser Wurstwagen. Nebenher waren natürlich Unmengen türkischer Einheiten dort. Der Stützpunkt wird Meilenweit umher bewacht und ist absolutes Sperrgebiet. Von allen Seiten von Bergen und der See umschlossen uneinnehmbar, landschaftlich aber toll.

Die Stadt Marmaris, die einige Kilometer entfernt unseren eigentlichen Landgang bestimme, ist ein beliebtes Reiseziel von Russen, Enländern und Holländern. Entsprecht touristisch war’s dort auch aufgezogen. Alles war sehr teuer, aber auf der anderen Seite auch sehr entspannend. Wieder Wasserpfeifen Cafés, wieder leckere türkische Speisen mit Airan, wieder Wlan. Da dies der letzte so richtig, richtige letze Hafen war, haben wir uns auch von den Einheiten gebührend verabschiedet und ihre Inne-, wie auch Außeneinrichtung mit unserer Partywut belastet. Die haben uns aber auch entsprechend gut mit Alkohol und Leckereien der nationalen Küchen begeistert. Nachdem ich noch mit Katrin telefoniert habe, bin ich dann auf dem Rückweg abgefangen worden und mit an Bord der Erdemli, dem türkischen Minenjäger geschleppt worden und fand mich als Mannschafter plötzlich in der Offiziermesse wieder. Da streuchten dann plötzlich viel zu viele türken rum, die uns alle möglichen alkoholische Getränke einschenkten und nachschenkten und nachschenkten und .. und so weiter. Allein der Raki muss mich um den Verstand gebracht haben. Nachdem die türken dann eine Rammstein DVD einwarfen, war der Kessel am brodeln und ich habe nur schwerlich meinen Weg auf den Bock gefunden. Am nächsten Tag durfte ich aber bei der Frischwasserübernahme den ganzen Schnaps wieder ausschwitzen. Immerhin.

Nun sind wie, wie gesagt, wieder auf dem Transit. Auf dem endgültigen. Das Steampast wird noch stattfinden, wo die Einheiten der Force so nah aneinander vorbeifahren, dass jeder den anderen mit faulen Eier, Farbgranaten und allen Wasserwerfern sowie Feuerlöschschleuchen an Bord befeuert wird. Dabei wird über die Schiffslautsprecheranlage so laut wie möglich mucke gespielt. Als letztes natürlich zu unserer Verabschiedung „Love Me Tender“. Und dann wird gesungen: „Wir könn’ nach Hause fahrn. Wir könn’ nach Hause fahrn!“ Tja. Und dann fahren wir wieder nach Hause. Und darauf freue ich mich schon. Alle wiederzusehen, wieder ein wenig Alltag zu genießen und mir auszusuchen, wie meine Freizeit aussieht. Ein schöner Gedanke. Schön, dass es bald so weit ist.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einmal alles Liebe aus dem östlichen Mittelmeer und hoffe, dass wir die letzen Unwetter auch noch gut überstehen.

Kleiner Nachbrenner: Mittlerweile sind wir über Umwege auf Kreta angekommen und ich sitze in einem kleinen Café im alten Hafen in Chania. Ich war heute schon Crossjoggen durch die Weinberge hier. Wirklich wunderschön. Dabei sind wir auch auf eine kleine blaue Lagune gestoßen, in dem ich dem feuchtwarmen Mittelmeer frönte. Man konnte bis auf den Grund schauen und schwamm zwischen kleinen weißen Segelbooten. Mit einem Frappe in der Hand und Blick auf die Bucht, haben wir uns dort also vom Joggen erholt um uns dann mit dem Bus einer italienischen Fregatte auf in dieses Urlaubsdomizil zu machen. Kreta ist wirklich bestechend schön und es gibt viel zu sehen. Da ist es schade, dass wir nur diesen einen Tag hier liegen.

Das nämlich kommt daher, dass – wie angedeutet – wir Probleme auf dem Weg hier her hatten. Denn wir sind in ein Unwetter geraten und hatten mit vier Metern Dünung zu kämpfen. Ich hätte mich im Kartenraum beinahe sebst mit meinen Zirkel erstochen so schwabbelte der Kahn. 50 Meter über der Wasserlinie, auf Brücke, lagen wir zwichenzeitlich fast senkrecht im Wasser. Jedenfalls wurde man auch hier oben erheblich nass. Drum mussten wir Kreta im Süden umfahren. Dafür aber geht es nun Morgen auf den Rücktransit und ab nach Lissabon. Bis dahin

Alles Gute

Euer Roman

Ps: Weiter Bilder findet ihr übrigens auch auf der SNMCMG 2 Seite der Marine. Da bin auch ich in Novorossiysk drauf ;)

SNMCMG 2 auf Marine.de

bzw:
Mein Bild auf Marine.de

Anbei noch ein paar Bilder:
Cartagena Spanien
Patras Spanien
Novorossiysk Russland
Straße von Korinth

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